Was erlaube Hertha?

Ehrlich gesagt, fällt mir zu unserem Gastspiel beim FC Bayern nicht mehr viel ein. Dieses Spiel, und insbesondere die ersten 15 Minuten dieses Albtraumes, kann man, als Hertha-Fan, nur als “desolat”, “grottenschlecht”, “Hose voll”, “schwach wie Flasche leer” und anderen Floskeln beschreiben. Himmel, Arschund Zwirn. Dass wir in München nie wirklich gut aussehen, ist ja hinlänglich bekannt, aber die Art und Weise, wie sich die Hertha präsentierte, war unterirdisch. Mangelhaftes Zweikampfverhalten (die Spieler standen viel zu weit weg vom Mann), absolut NULL Torgefahr (und damit hält Manuel Neuers Serie weiterhin an …), Berliner Verunsicherung soweit das Auge reichte. Noch nicht mal fünf Minuten waren gespielt, als es schon 1-0 für die Hausherren stand. Torschütze: Mario Gomez. Zwei Minuten später klingelte es schon wieder, Torschütze diesmal Franck Ribery. Falls jetzt aber irgendjemand denkt, die Hertha beginne nun zu kämpfen, lag falsch. 12. Minute wieder Tor, diesmal Bastian Schweinsteiger. Ich hätte kotzen können. Es lief aber auch wirklich nichts bei diesem aufgescheuchten Hühnerhaufen, der in Blau-Weiß auf dem Rasen der Allianz Arena herumstolperte, zusammen. Ich hatte nach der ersten Viertelstunde schon keine Lust mehr und wollte am liebsten nach Hause, befürchtete ich doch ein Abschlachten. Dazu kam es aber glücklicherweise – sofern man hier noch von “Glück” sprechen kann – nicht, in der zweiten Halbzeit gab es nur noch eine Szene, ein, in meinen Augen etwas fragwürdiger Elfmeter, den Gomez sicher verwandelte. Thomas Kraft tat sein Übriges, um nicht noch mehr Gegentreffer zu bekommen. Dennoch, ich verliere lieber klar und deutlich (und verdient), als wie in Bremen durch eine strittige Aktion kurz vor Schluss.

Markus Babbel hatte übrigens die Mannschaft gegenüber dem Köln-Spiel kaum verändert, Christian Lell kehrte in die Anfangsformation zurück, vorne sollten Pierre-Michel Lasogga und Änis Ben-Hatira für Akzente sorgen. Kurz vor Schluss kan dann auch noch Adrian Ramos zum Einsatz.

Zu meinem Stadionbesuch in der Münchner Arena sei gesagt: nein, mir hat dieses seelenlose, unterkühlte Stadion nicht gefallen. Von außen mag das Ding ja spektakulär wirken, aber für mich hatte es keinerlei Charme oder Flair. Außen hui, innen pfui. Da gehe ich lieber in den Wildpark. Der ist zwar alt und runtergekommen, aber wenigstens hat das Stadion eine Seele.

Ich bin in der Früh um halb sechs von Berlin aus mit dem Hertha-Fanbus nach München gefahren. Es war für mich der zweite Versuch, diesem Stadion einen Besuch abzustatten. Der erste vor zwei Jahren war ja eher weniger von Erfolg gekrönt, nicht, weil wir da 5-2 auf die Mütze bekommen hatten, und auch nicht, weil ich mich mit einem Haufen Bayern-Fans (wie tief kann man eigentlich sinken? ;-) ABer die waren irgendwie nett und lustig, hat Spaß gemacht.) todesmutig in Hertha-Fankleidung auf den Weg gemacht hatte und natürlich von vorne bis hinten aufgezogen wurde, sondern weil das Spiel damals genau zum Ferienbeginn in mehreren deutschen Bundesländern sowie der Niederlande lag. Die Folge: 150 Kilometer Stau, und wir waren pünktlich eine Stunde NACH Anpfiff im Stadion. Na Hurra. Ich bin dann auch gar nicht mehr in den ganz oben liegenden Gästeblock rein, sondern habe mich in den einen Fantreff gemacht und dort die letzten Minuten dieser Vorstellung via Beamer geschaut. Na ja, nach dem Spiel wollte dann ein Bayern-Fan, dem ich auf dem Weg zum Bus begegnete, unbedingt mit mir Schals tauschen. Zitat: “Hier Chef, könnten wir vielleicht nen Schaltausch machen?” Erst war ich ja zögerlich, aber da er gute Worte gab und ihm ein Hertha-Schal noch in seiner Sammlung fehlte, und zudem auch bald Weihnachten anstand, hab ich dann mit ihm Schals getauscht. Ja, es IST mir peinlich und ich schäme mich. ;-) Die Bayern-Fans, mit denen ich damals unterwegs war, fanden es jedenfalls grandios, dass der Gäste-Fan mit einem Bayern-Schal zurück kam.

Diesmal also mit dem Hertha-Fanbus. Es ist doch was anderes, wenn man mit Gleichgesinnten unterwegs ist. ;-) Amüsant fand ich übrigens, dass man, wenn man zur Allianz Arena fährt und zum Gäste-Parkplatz möchte, in Richtung “Sonderabfall-Beseitigung” fahren muss. Hach, was sind die nett … -.-

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… und unten, da tobt der BSC!

Und wie der BSC tobte! Vor allem in der ersten Halbzeit. Ich war, wie auch schon in Dortmund, mit keinen allzu großen Erwartungen ins Olympiastadion gepilgert, da Köln in den vergangenen Spielen einen leichten Höhenflug vorweisen konnte und zudem mit Lukas Podolski und Milivoje Novakovic einen effektiven Angriffswirbel in ihren Reihen hatte. Bei uns hingegen fehlten mit Christian Lell und Adrian Ramos zwei wichtige Spieler, die ihre Sperre vom Skandalspiel in Bremen absitzen mussten. Ich wurde einmal mehr von der Hertha sehr positiv überrascht.

In der ersten Halbzeit fand Köln praktisch nicht statt, Podolski und Novakovic waren abgemeldet, und es war die Hertha, die von Beginn an das Heft in die Hand nahm. Und so rollte ein ums andere Mal eine blau-weiße Angriffswelle nach der anderen  vor das Tor von Michael Rensing. Besonders auffällig dabei die von Markus Babbel aufgebotenen Änis Ben-Hatira, der bereits in Bremen ein gutes Spiel gemacht hatte, und einmal mehr Pierre-Michel Lasogga, die die Kölner quasi im Alleingang aus dem Olympiastadion schossen, da zwei der drei Hertha-Tore eine Kollaboration der beiden (Vorlage Ben-Hatira, Abschluss durch Lasogga, der dann einfach mal da stand, wo ein Stürmer zu stehen hat) war. Raffael erhöhte noch zum 3-0 nach einem Wahnsinnsfreistoß von Christoph Janker, der Lell hervorragend ersetzte.

Nach der Halbzeitpause kamen die Kölner zwar etwas besser ins Spiel, bemühten sich zumindest um Ergebniskosmetik, doch eine wirklich zwingende Torchance war nicht dabei, oder aber Thomas Kraft war zur Stelle und hielt die “Null” fest. Hertha verteidigte gut und clever und verwaltete so geschickt die 3-0 Führung bis zum Ende.

Am nächsten Wochenende geht es nun zu der derzeitigen Übermannschaft der Liga, dem FC Bayern München. Mit der Defensivleistung und dem Einsatz von Bremen und Dortmund könnte da durchaus was drin sein. Ich bin gespannt!

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Enttäuschung

Oder doch eher Frust? Ich weiß es nicht, aber irgendwo dazwischen befindet sich auch heute noch meine Stimmung, wenn ich an das gestrige Gastspiel beim SV Werder Bremen, der sich heimlich, still und leise als 1. Bayern-Jäger gemausert hat, denke. Enttäuschung darüber, dass es die erste Auswärtsniederlage in diesem Jahr gesetzt hat, und Frust darüber, wie diese entstand. Sicher waren die Platzverweise, besonders der gegen Christian Lell – wenn ich schon mit gelb vorbelastet bin, grätsche ich nicht so im Rambo-Stil in den Gegenspieler rein -, berechtigt, aber dennoch habe ich bei der ganzen Geschichte einen faden Beigeschmack. Der Platzverweis gegen unsren Torschützen Adrian Ramos dagegen … nun, bei Ballwegschlagen kann man auch mal Fingerspitzengefühl zeigen, zumal Bremens Clemens Fritz eine ebensolche Aktion durchführte und nichts passierte. Ich will nicht sagen, dass Schiedsrichter Dr. Felix Brych die alleinige Schuld an der Niederlage trägt, aber einen Anteil hatte er sehr wohl. Raffael wurde, wie so oft, häufig gefoult, und zumeist blieb die Pfeife stumm, auch, als ein Bremer ihn im Strafraum foulte. Klarer Elfmeter, den wir nicht bekamen. Und das Ausgleichstor von Claudio Pizarro war ebenfalls nicht so ganz regelkonform. Aber es ist ja auch in der Vergangenheit schon oft so gewesen, dass Hertha bei Schiedsrichterentscheidungen benachteiligt wurde.

Dabei hatte alles doch recht gut angefangen, da Adrian Ramos uns bereits in der 3. Minute in Führung brachte. Bremen fand zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nicht ins Spiel, es war der Aufsteiger, der den Ton angab. Bis plötzlich, nach einer Standardsituation, Pizarro zur Stelle ist und quasi aus dem Nichts den Ausgleich erzielt. Von da an übernahmen die Grün-Weißen das Kommando, konnten aber gegen gut stehende Berliner keinen Erfolg verbuchen.

In der zweiten Halbzeit wurde es dann mehr als turbulent. Zuerst der Platzverweis gegen Christian Lell, kurze Zeit später gelb-rot gegen Adrian Ramos, ein nicht-gegebenes Tor für Werder (Pizarro, wer sonst?), und eine mit neun Mann aufopferungsvoll kämpfende Hertha, die sich tapfer gegen die anstürmenden Bremer wehrte, und sogar durch Konter, die meist von Raffael vorgetragen wurden, durchaus gefährlich wurden. Die von Thomas Schaaf betreuten Werderaner konnten sich in der doppelten Überzahl einfach nicht durchsetzen.

Es sah also doch so aus, als könnten wir zumindest mal einen Punkt von der Weser mit nach Hause nehmen, bis dann diese unsägliche 93. Minute kam. Tor Pizarro, 2-1 Endstand. Und auch hier streiten sich die Geister, ob es nun Abseits war oder nicht. Wie dem auch sei, dieses Spiel im Weserstadion war nichts für schwache Nerven, und ich kann nicht anders, als der Hertha meinen tiefen Respekt zu zollen. Über eine halbe Stunde in Unterzahl gegen die wiedererstarkten Bremer zu bestehen und sich nicht abschießen zu lassen, zeugt von einer immensen Willensstärke. Hut ab, Jungs, auch wenn es am Ende nicht gereicht hat.

Ich hoffe nun beim kommenden Heimspiel gegen den 1. FC Köln auf eine “Jetzt erst recht!” Reaktion der Mannschaft. Allerdings tun wir uns zuhause deutlich schwerer als in der Ferne… Man darf also gespannt sein, wie sich die Mannschaft gegen die Kölner, bei denen vor allem Lukas Podolski derzeit für Torgarantie steht, präsentieren wird.

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Auswärts fahren macht Spaß

In der Vergangenheit standen meine Auswärtsfahrten zumeist unter dem Motto “Kohle zahlen, Scheiße seh’n, Auswärtsfahren ist schön!”. Und so machte ich mich am vergangenen Samstag also auf nach Dortmund ins Westfalenstadion (ich weigere mich, das Stadion “Signal Iduna Park” zu nennen!), um dem Meister-Duell des Jahres 2011 beizuwohnen. Ich setzte mich in den Zug, ohne großartige Erwartungen zu hegen, schließlich waren wir zu Gast beim Deutschen Meister Borussia Dortmund. Ich richtete mich gedanklich auf eine Schlappe ein, doch es sollte anders kommen. Ganz anders.

Mit gut einer halben Stunde Verspätung kam ich endlich in Dortmund an und machte mich unverzüglich auf den Weg ins Stadion; und da ich Hunger hatte, holte ich mir am Bahnhof noch schnell eine Kleinigkeit zu essen. In der rappelvollen Stadtbahn zum Stadion wurden bereits Fangesänge angestimmt (“Wer nicht hüpft, der ist ein Schalker!” und ähnliches), die Stimmung war dort also schon recht ausgelassen. Doch es sollte noch besser und doller kommen! An der Haltestelle “Stadion” angekommen, stapfte ich in Richtung Einlass, als ich plötzlich von einem Typ angesprochen wurde: “Würdest du mir nen Berlin-Schal verkaufen?” Kurzer Dialog, und Schal und ein zehn Euro Schein tauschen die Besitzer. Denn diesen Schal, den ich hergegeben habe, krieg ich jederzeit wieder, da neu. Den anderen, den ich noch dabei hatte, dagegen nicht mehr, und den würd ich auch nie rausrücken, da er auf der einen Seite GABOR KIRALY stehen hat, zusammen mit Zecke Neuendorf mein “all-time favourite player”.

Im Stadion traf ich mich dann mit Ralle, der ja auch mit in Duisburg und beim Spiel gegen Augsburg war, und wir quetschten uns in den brechend vollen Gästestehblock; es sollen wohl über 3.000 Herthaner den Weg nach Dortmund angetreten haben, und dementsprechend herrschte einmal mehr supergeile Stimmung im Block. Ich bin kein Dortmund-Fan, der Verein ist mir ziemlich egal, aber die Stimmung in dem Stadion ist schon krass. Vor allem die Südtribüne ist beeindruckend.

Nun denn, das Spiel begann, und ich war überrascht. Hertha präsentierte sich frech und ohne jeglichen Respekt vor der von Trainer Jürgen Klopp betreuten Borussia. Nach einer guten Viertelstunde hatten wir dann auch schon den Torschrei auf den Lippen, doch Tunay Toruns Schuss traf nur den Außenpfosten, und ich hatte plötzlich das Gefühl, da geht was. Das Spiel wogte hin und her, beide Mannschaften kamen zu Torchancen, doch ging man mit einem torlosen Unentschieden in die Pause.

Kurz nach Wiederanpfiff passierte das, worauf wir mitgereisten Auswärtsfahrer so gehofft und gewartet hatten: Raffael bekommt den Ball und rennt ungestört über den Platz, kein Borusse greift ernsthaft ein. Den ersten Schuss pariert Roman Weidenfeller noch, doch beim Nachschuss ist er machtlos. 1-0 für uns, und im Hertha-Block tanzte der Bär. Ausrasten vom feinsten. ;-) Doch auch die Borussia kam zu der einen oder anderen Chance, die aber alle von Thomas Kraft vereitelt wurden. Bei einer Ecke herrscht vor dem Gehäuse von Weidenfeller Gedränge, und irgendwie steht Peter Niemeyer goldrichtig, der Ball prallt von ihm ab und rein ins Vergnügen. Die Stimmung im Hertha-Block steigt in fieberhafte Höhen, wir feiern unsere Mannschaft, verabschieden die ersten BVB Fans, die das Stadion verlassen mit “Auf Wiederseh’n! Auf Wiederseh’n!”-Sprechchören, und auch das obligatorische “Und IHR wollt Deutscher Meister sein?” durfte nicht fehlen. :-D Ich hab in dem Moment einem Schalke-Fan, den ich während eines Klinik-Aufenthaltes kennen gelernt habe, eine SMS geschrieben: “2-0 für uns!” Und einer Freundin: “Ist das geil hier!” Der Block? Außer Rand und Band.

In der 88. Minute kam Dortmund zwar noch zum 1-2 durch Robert Lewandowski, drängt in der Nachspielzeit von vier Minuten noch auf den Ausgleich, doch der glänzend aufgelegte Thomas Kraft hielt den Sieg fest. Ich hätte es wirklich nicht für möglich gehalten, doch wir haben da eine kleine Sensation geschafft und den Deutschen Meister im eigenen Stadion besiegt. Es war einfach nur geil. Geil, dieses Spiel sehen und die Stimmung im Hertha-Block miterleben zu dürfen. Interessanter weise hatte Dortmund weitaus mehr Ballbesitz und eine höhere Passgenauigkeit, aber trotzdem konnten die Schwarz-Gelben daraus kein Kapital schlagen und die drei Punkte gingen an die Spree. Ich fuhr überglücklich wieder zurück nach Berlin, tolles Gefühl mit drei Punkten im Gepäck und einem Haufen Hertha-Fans im Zug zu sitzen, nicht wie früher, als ich noch in der fußballerischen Diaspora zwischen Kassel und Frankfurt lebte, immer allein auf weiter Flur. :-D

Allerdings wurde die Hertha-Party von einem tragischen Zwischenfall überschattet: ein 71-jähriger Dortmund-Fan brach vor Anpfiff auf der Tribüne zusammen und verstarb trotz Wiederbelebungsversuchen der Sanitäter an einem Herzinfarkt. :( An dieser Stelle möchte ich den Angehörigen und Freunden und Bekannten des Verstorbenen mein Beileid aussprechen.

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Heimspiel zum Auftakt

Die Spielpläne für die kommende Erstliga-Saison stehen fest, und seit heute gibt es auch die bereits ersten Termine. Dass wir mit einem Heimspiel anfangen würden, hatte wohl nicht unbedingt jeder mit gerechnet, viele vermuteten ein Auswärtsspiel beim amtieren Deutschen Meister Borussia Dortmund. Doch nun beginnen wir mit einem Heimspiel. Der Gegner? 1. FC Nürnberg.

Nürnberg? Da war doch was ..?!

Ich erinnere mich immer noch lebhaft an das Hinspiel in der Abstiegssaison. Ich hatte mich mit dem Zug auf den Weg nach Nürnberg gemacht, in der Hoffnung, dass der damalige neue Trainer Friedhelm Funkel den Jungs mal anständig Feuer unter dem Hintern machen würde, und stellte mich gedanklich auf ein klassisches “Not”  (Nürnberg, die damals 17. waren) gegen “Elend” (Hertha) – Spiel ein. Wenig attraktiv, dafür viel Kampf, schließlich ging es in diesem Spiel ums nackte Überleben. Ich sah auch Kampf, Leidenschaft und die nötige Einstellung. Allerdings nicht bei uns. Hertha präsentierte sich einmal mehr lustlos, seelenlos, leidenschaftslos und ohne jeglichen Biss. Nürnberg führte uns vor, rackterte und schoss uns 3-0 aus dem easyCredit Stadion. Ich war wirklich kurz davor, zur Halbzeit aus dem Block zu gehen und nach Hause zu fahren, ich konnte mir diese schon an Arbeitsverweigerung grenzende Vorstellung nicht mehr wirklich antun. Da ich aber masochistisch veranlagt zu sein scheine, blieb ich bis zum bitteren Ende. “Wir sind Herthaner und IHR nicht!” und “Und IHR wollt unsre Hertha sein?” hallte es in der 2. Halbzeit aus dem Block. Enttäuscht und frustriert fuhr ich nach Hause. Außer Spesen wieder mal nix gewesen. Mit diesem Spiel begann die Zeitbombe aber zu ticken …

Im Rückspiel sah es zumindest mal für eine Weile so aus, als sollte die Hertha ihren Heimfluch besiegen und doch noch im Olympiastadion gewinnen können. Doch anstatt die 1-0 Halbzeitführung auszubauen, waren es die Nürnberger, die die drei Punkte mit nach Hause nehmen sollten. Als Raphael Schäfer dann noch die Heimfans durch eine Geste provozierte, kam es zur Explosion: 100-150 Chaoten stürmten nach Abpfiff, mit Fahnenstangen bewaffnet (in den Medien war von Eisenstangen und Holzlatten die Rede, dabei hat man in dem gewissen Video deutlich gesehen, dass die Stangen biegsam waren …), den Rasen und randalierten. Die Folge: im nächsten Heimspiel gegen den VfB Stuttgart wurden die Heimfans sozusagen “ausgesperrt”, die Ostkurve blieb leer, und es durften nur etwa 25.000 Zuschauer ins Stadion.

Nun also Nürnberg zum Auftakt der Saison 2011/2012. Wiedersehen mit dem Provokateur Raphael Schäfer, und vielleicht hoffentlich die Wiedergutmachung für die Ereignisse der Abstiegssaison. Die DFL hat aus dem Spiel gleich das Topspiel des Tages gemacht, heißt, die Partie wird um 18.30h angepfiffen. Ich freue mich schon darauf, da ich ab nächste Saison endlich in Berlin leben werde und mir eine Dauerkarte für die Ostkurve gesichert habe.

HA HO HE

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MISSION ERFÜLLT!

Dies steht auf den T-Shirts, die die Mannschaft nach dem Spiel trug, und die man sich bereits nach dem Abpfiff am mobilen Hertha-Fanshop kaufen konnte.

Der Reihe nach. Mein Kumpel Ralle und ich brachen gestern Nachmittag gegen 14.15h in Richtung Duisburg auf, um bei der Aufstiegskolonne in der Schau ins Land-Reisen-Arena dabei zu sein. Da sind wir auch schon gleich bei dem, was mich am modernen Fußball stört. Es gibt kaum noch Stadien im Namen, die meisten heißen “Park” oder “Arena” und sind von irgendeinem Geldgeber gesponsort. Dabei schießt das ehemalige Hamburger Volkspark-Stadion den Vogel ab: zuerst AOL Arena, dann HSH Nordbank Arena und jetzt eben Imtech Arena. Dass die Namen bei diesen Stadien, pardon, Arenen, wirklich groteske Züge annehmen können, beweist eben auch der in Duisburg befindliche Fußballtempel. Ehrlich gesagt, rollen sich mir bei sowas die Zehennägel hoch. Genau wie bei folgendem Beispiel: “*dingdong* Das Eckenverhältnis wird präsentiert von Schlag-mich-tot! Die Zwischenergebnisse aus den anderen Stadien werden präsentiert von Kack-mich-zu! usw.”

Doch zurück zum Spiel. Ralle und ich kamen natürlich gut 3,5h vor Anpfiff in Duisburg an, aber ich bin lieber ewig früh vorm Stadion als mich hetzen zu müssen. Gleich ins Auge sprangen mir die Jungs, die mit dicken, großen Taschen rumliefen und Aufstiegs-Schals verkauften. Ich hab ja auch noch keinen Hertha-Schal … jedenfalls keinen mit AUFSTIEG darauf. :-D Also, einen mitgenommen, und als wir dann in Richtung Seehaus gingen, bauten sich ein paar Jungs in Grün auf und erklärten uns, dass wir, da Hertha-Fans dort nicht lang gehen dürften und auch vorerst nicht mehr in das Restaurant dürften, da wohl einige Stress gemacht haben. Okay … wir also nen anderen Weg gelaufen und von der anderen Seite rein. :-D Vorm Seehaus trafen wir dann erstmal noch eine Bekannte von mir, die aber auch noch auf einen Twitter-Kollegen warten wollte. Ralle und ich suchten uns ein gemütliches Plätzchen und organisierten was zu essen. Pommes rot-weiß für mich, Currywurst-Pommes für ihn.

Nach einer Weile gemütlichen Herumsitzens begaben wir uns dann zum Stadion. Am Eingang natürlich wieder das obligatorische Abtasten nach gefährlichen Gegenständen. Meine Fresse. Nach gefühlt 30min Leibesvisitation – anscheinend seh ich wirklich so böse und gefährlich aus, was weiß denn ich? Jedenfalls dauerte es ewig, bis die mal mit mir fertig war … -, durfte ich dann auch endlich rein. Ich frage mich allerdings, wie die Pyrotechnik den Weg ins Stadion gefunden hat, wenn die Tante am Eingang mir am liebsten meinen Haustürschlüssel abgenommen hätte??????

Im Hertha Block angekommen, suchten wir uns ein lauschiges Plätzchen relativ weit oben und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Um es vorweg zu nehmen, nein, berauschend war der Kick da auf dem Rasen nicht, die Stimmung im Block war um Längen besser als das, was auf dem Spielfeld geboten wurde. Dennoch fand ich es geil, mal ein Montag-Abend-Spiel nicht auf der Couch vorm TV mit ner Tüte Chips verfolgen zu dürfen, sondern live dabei zu sein, insbesondere, wenn es ein so wichtiges Spiel ist. :-D “Scheiß Sport1!” hieß es ja auch, und warum im Zebra Magazin was von “liebgewonnener Gewohnheit” steht, entzieht sich mir. Genauso, wie ich mich immer noch frage, was die “Tod und Hass dem S04!” Rufe vor dem Spiel und bei der Uffta zu suchen hatten. Zumal wir ja nicht in Gelsenkirchen waren, sondern eben in Duisburg, und das einzige, was diese beiden Vereine miteinander verbindet, ist dass sie sich im Mai im DFB-Pokal-Finale gegenüberstehen und beide im Ruhrpott ansässig sind. Aber sonst? Okay, das “Wer nicht hüpft, der ist ein Schalker!” geht ja noch, aber das andere fand ich dann doch etwas zu krass. :-(

Wie ja schon gesagt, reichte uns ein Punkt in Duisburg, um den Aufstieg endgültig festzumachen. Als Adrian Ramos uns in der ersten Halbzeit ins Glück schoss und den einzigen Treffer der Partie (wir hätten noch einige Törchen nachlegen können in der zweiten Halbzeit, wenn wir unsere Konterchancen besser genutzt hätten …) erzielte, kannte die Freude keine Grenzen mehr. Es wurde gejubelt, gefeiert, die Hertha-Kurve stand Kopf. Bis heute hab ich immer noch nicht so ganz realisiert, was da gestern Abend eigentlich passiert ist, ich kriege immer wieder feuchte Augen, wenn ich die Bilder sehe. Es ist einfach nur unbeschreiblich!! Zu Beginn der zweiten Halbzeit gab es dann eine Pyroshow in unserem Block, weiter unten brannten Bengalos, der Rest hielt Wunderkerzen hoch. Auf den Bildern bei hertha-inside.de sieht das wirklich spektakulär aus. Die Stimmung war also absolut bombastisch, und als Schiri Dr. Felix Brych nach 92 Minuten abpfiff, war da nur noch pure Glückseligkeit zu spüren. Aufstiegssongs wurden gesungen, geklatscht, gejubelt, gefeiert. Gänsehautfeeling.

Auch die Mannschaft ließ sich nicht lumpen, sich zu präsentieren. Sie kamen mit ihren Aufstiegsshirts (die Mannschaft hatte schwarze Shirts, die Fanversion ist blau) zu uns vor den Block und die Ersatzspieler, sowie u.a. Markus Babbel, den die Spieler noch hochleben ließen und hinterher mit Sekt duschten, hielten ein Banner hoch: “MISSION GEMEINSAM ERFÜLLT! DANKE HERTHA FANS!”

Irgendwann verließen Ralle und ich dann das Stadion und holten uns natürlich auch noch Aufstiegs-Shirts, bevor wir überglücklich die Heimreise antraten.

1. Liga – Hertha ist dabei! Und das ist auch gut so.

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Matchball

Die Ausgangslage für unser Spiel heute Abend beim MSV Duisburg könnte nicht besser sein. Zunächst hat die Hertha sich in den “Big Point Spielen” gegen den VfL Bochum (2-0) und den VfL Osnabrück (4-0) durchsetzen können und profitiert nun auch noch von der schwächelnden Konkurrenz.

Bochum kam gegen den SC Paderborn nicht über ein 1-1 hinaus, Greuther Fürth unterlag bei 1860 München 3-0, sodass der Relegationsplatz schon mal sicher ist. Schließlich verlor der härteste Konkurrent um den Aufstieg, FC Augsburg, mit 1-2 gegen Alemannia Aachen. Das bedeutet, dass wir heute mit einem Unentschieden den Sack endgültig zumachen und die sofortige Rückkehr ins Oberhaus feiern können. Bei einem Sieg heute Abend können wir den Abstand auf Augsburg auf stolze sieben Zähler ausbauen, ein gutes Polster für das anstehende Heimspiel gegen die “Löwen”. Doch auch in Duisburg muss erstmal gewonnen bzw. gepunktet werden. Die “Zebras” haben das Pokalfinale erreicht, müssen aber auch einige verletzungsbedingte Ausfälle hinnehmen. Hinzu kommt, dass der MSV die erste Mannschaft war, die uns eine Heimniederlage beibringen konnte, da drängt sich der Wille nach einer Revanche auf.

Apropo “Verletzungen” – Peter Niemeyer, der gegen Osnabrück ausgewechselt werden musste, ist einsatzfähig und wird der Mannschaft somit heute zur Verfügung stehen. Ein, wie ich finde, nicht gerade unwichtiger Spieler im Mannschaftsgefüge, der dazu beigetragen hat, dass wir dort sind, wo wir jetzt stehen. Nämlich auf Tabellenplatz 1 der 2. Liga.

Ich selber werde in ein paar Stunden zusammen mit einem Kumpel von mir nach Duisburg aufbrechen. Ich bin schon total aufgeregt, da es mein erstes Montag-Abend-Spiel ist, dass ich mal live im Stadion sehe und nicht wie sonst auf Sport1, und weil es heute ja auch – wie damals in Karlsruhe, als wir 0-4 nach Hause geschickt wurden und die CL vergeigt hatten – um einiges geht. Aber irgendwie bin ich optimistisch, dass wir da heute Abend was reißen werden. Duisburg, stellt die Getränke kalt, die Aufsteiger sind zu Gast!

HA HO HE!

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