Dies steht auf den T-Shirts, die die Mannschaft nach dem Spiel trug, und die man sich bereits nach dem Abpfiff am mobilen Hertha-Fanshop kaufen konnte.
Der Reihe nach. Mein Kumpel Ralle und ich brachen gestern Nachmittag gegen 14.15h in Richtung Duisburg auf, um bei der Aufstiegskolonne in der Schau ins Land-Reisen-Arena dabei zu sein. Da sind wir auch schon gleich bei dem, was mich am modernen Fußball stört. Es gibt kaum noch Stadien im Namen, die meisten heißen “Park” oder “Arena” und sind von irgendeinem Geldgeber gesponsort. Dabei schießt das ehemalige Hamburger Volkspark-Stadion den Vogel ab: zuerst AOL Arena, dann HSH Nordbank Arena und jetzt eben Imtech Arena. Dass die Namen bei diesen Stadien, pardon, Arenen, wirklich groteske Züge annehmen können, beweist eben auch der in Duisburg befindliche Fußballtempel. Ehrlich gesagt, rollen sich mir bei sowas die Zehennägel hoch. Genau wie bei folgendem Beispiel: “*dingdong* Das Eckenverhältnis wird präsentiert von Schlag-mich-tot! Die Zwischenergebnisse aus den anderen Stadien werden präsentiert von Kack-mich-zu! usw.”
Doch zurück zum Spiel. Ralle und ich kamen natürlich gut 3,5h vor Anpfiff in Duisburg an, aber ich bin lieber ewig früh vorm Stadion als mich hetzen zu müssen. Gleich ins Auge sprangen mir die Jungs, die mit dicken, großen Taschen rumliefen und Aufstiegs-Schals verkauften. Ich hab ja auch noch keinen Hertha-Schal … jedenfalls keinen mit AUFSTIEG darauf.
Also, einen mitgenommen, und als wir dann in Richtung Seehaus gingen, bauten sich ein paar Jungs in Grün auf und erklärten uns, dass wir, da Hertha-Fans dort nicht lang gehen dürften und auch vorerst nicht mehr in das Restaurant dürften, da wohl einige Stress gemacht haben. Okay … wir also nen anderen Weg gelaufen und von der anderen Seite rein.
Vorm Seehaus trafen wir dann erstmal noch eine Bekannte von mir, die aber auch noch auf einen Twitter-Kollegen warten wollte. Ralle und ich suchten uns ein gemütliches Plätzchen und organisierten was zu essen. Pommes rot-weiß für mich, Currywurst-Pommes für ihn.
Nach einer Weile gemütlichen Herumsitzens begaben wir uns dann zum Stadion. Am Eingang natürlich wieder das obligatorische Abtasten nach gefährlichen Gegenständen. Meine Fresse. Nach gefühlt 30min Leibesvisitation – anscheinend seh ich wirklich so böse und gefährlich aus, was weiß denn ich? Jedenfalls dauerte es ewig, bis die mal mit mir fertig war … -, durfte ich dann auch endlich rein. Ich frage mich allerdings, wie die Pyrotechnik den Weg ins Stadion gefunden hat, wenn die Tante am Eingang mir am liebsten meinen Haustürschlüssel abgenommen hätte??????
Im Hertha Block angekommen, suchten wir uns ein lauschiges Plätzchen relativ weit oben und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Um es vorweg zu nehmen, nein, berauschend war der Kick da auf dem Rasen nicht, die Stimmung im Block war um Längen besser als das, was auf dem Spielfeld geboten wurde. Dennoch fand ich es geil, mal ein Montag-Abend-Spiel nicht auf der Couch vorm TV mit ner Tüte Chips verfolgen zu dürfen, sondern live dabei zu sein, insbesondere, wenn es ein so wichtiges Spiel ist.
“Scheiß Sport1!” hieß es ja auch, und warum im Zebra Magazin was von “liebgewonnener Gewohnheit” steht, entzieht sich mir. Genauso, wie ich mich immer noch frage, was die “Tod und Hass dem S04!” Rufe vor dem Spiel und bei der Uffta zu suchen hatten. Zumal wir ja nicht in Gelsenkirchen waren, sondern eben in Duisburg, und das einzige, was diese beiden Vereine miteinander verbindet, ist dass sie sich im Mai im DFB-Pokal-Finale gegenüberstehen und beide im Ruhrpott ansässig sind. Aber sonst? Okay, das “Wer nicht hüpft, der ist ein Schalker!” geht ja noch, aber das andere fand ich dann doch etwas zu krass.
Wie ja schon gesagt, reichte uns ein Punkt in Duisburg, um den Aufstieg endgültig festzumachen. Als Adrian Ramos uns in der ersten Halbzeit ins Glück schoss und den einzigen Treffer der Partie (wir hätten noch einige Törchen nachlegen können in der zweiten Halbzeit, wenn wir unsere Konterchancen besser genutzt hätten …) erzielte, kannte die Freude keine Grenzen mehr. Es wurde gejubelt, gefeiert, die Hertha-Kurve stand Kopf. Bis heute hab ich immer noch nicht so ganz realisiert, was da gestern Abend eigentlich passiert ist, ich kriege immer wieder feuchte Augen, wenn ich die Bilder sehe. Es ist einfach nur unbeschreiblich!! Zu Beginn der zweiten Halbzeit gab es dann eine Pyroshow in unserem Block, weiter unten brannten Bengalos, der Rest hielt Wunderkerzen hoch. Auf den Bildern bei hertha-inside.de sieht das wirklich spektakulär aus. Die Stimmung war also absolut bombastisch, und als Schiri Dr. Felix Brych nach 92 Minuten abpfiff, war da nur noch pure Glückseligkeit zu spüren. Aufstiegssongs wurden gesungen, geklatscht, gejubelt, gefeiert. Gänsehautfeeling.
Auch die Mannschaft ließ sich nicht lumpen, sich zu präsentieren. Sie kamen mit ihren Aufstiegsshirts (die Mannschaft hatte schwarze Shirts, die Fanversion ist blau) zu uns vor den Block und die Ersatzspieler, sowie u.a. Markus Babbel, den die Spieler noch hochleben ließen und hinterher mit Sekt duschten, hielten ein Banner hoch: “MISSION GEMEINSAM ERFÜLLT! DANKE HERTHA FANS!”
Irgendwann verließen Ralle und ich dann das Stadion und holten uns natürlich auch noch Aufstiegs-Shirts, bevor wir überglücklich die Heimreise antraten.
1. Liga – Hertha ist dabei! Und das ist auch gut so.